Mit dem Tablet zur Visite

08.05.2017

Einen großen Schritt in Richtung Zukunft tun derzeit die Kliniken Eichstätt und Kösching. Sie führen die elektronische Fieberkurve ein. Bis 2018 sollen alle Stationen in beiden Kliniken durchgängig digital arbeiten.

Stationsarzt Salih Avdicausevic und Pflegekraft Melanie Arold gehen auf Station B1 in der Klinik Kösching bereits mit dem Tablet zur Visite.

Papier ist geduldig, heißt es. Und Geduld brauchte man tatsächlich mit der papiergebundenen Fieberkurve. Das Dokument enthält mit den Verordnungen des Arztes und den Vitalwerten des Patienten wichtige Parameter des medizinischen und pflegerischen Prozesses. "Diese wichtigen Daten waren aber nur an einem einzigen Ort aufzufinden: auf dem Papier der Fieberkurve", sagen die Ärzte Dr. Georg Dietrich und Dr. Hubert Grienberger, die hauptverantwortlich die Einführung der digitalen Patientenkurve betreuen.

Bisher musste also die Pflegekraft die Fieberkurve in Händen halten, um zu sehen, was verordnet wurde, ebenso wie der Arzt nur auf dem Papier die Verordnungen eintragen konnte. Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten oder Mitarbeiter aus dem Sozialdienst, die allesamt Informationen aus der Kurve benötigen, konnten bislang nur nacheinander Einsicht nehmen. Ein solches Arbeiten ist nicht mehr zeitgemäß. Durch Smartphone, Tablets und Co. sind wir es in vielen Bereichen gewohnt, mobil auf Daten zugreifen zu können, unabhängig von der Uhrzeit und egal wer gleichzeitig Zugriff auf die Daten hat. Deshalb wird die Fieberkurve in den Kliniken nun digitalisiert und schließt damit die letzte Lücke im digitalen Dokumentationsprozess. Der Pflegeprozess wird nämlich bereits seit 9 Jahren digital im Krankenhausinformationssystem abgebildet. "Kurz gesagt bringen wir mit Vmobil jetzt Pflege- und ärztliche Dokumentation zusammen", sagt Dr. Dietrich.

Für die Umsetzung wurde die Software "Vmobil" ausgewählt. Sie erfüllt alle wichtigen Anforderungen. "Die Software erlaubt uns eine umfassende Mobility, aus der sich eine enorme Zeitersparnis ergibt", erklärt Dr. Dietrich. So kann man mit Tablet oder PC auf die Dokumentation zugreifen und beispielsweise die Wunddokumentation direkt im Patientenzimmer durchführen. Mit den Tablets können Fotos aufgenommen und direkt in Vmobil abgespeichert werden. Dies war bisher weit weniger komfortabel.

Entscheidend waren auch die Oberfläche und die Verarbeitungstiefe der Software. "Vmobil integriert alle wichtigen Daten des Patienten, zeigt diese übersichtlich an und ist einfach und intuitiv zu bedienen." So werden neben den Vitalwerten und den verordneten Medikamenten zum Beispiel Laborwerte oder postoperative Daten zu Drainagen und Kathetern dargestellt. "Der gesamte Behandlungs- und Genesungsverlauf des Patienten in einer Anwendung abgebildet", sagt Dr. Dietrich. "Dies erhöht die Transparenz für alle am Behandlungsprozess Beteiligten", ergänzt sein Kollege Dr. Hubert Grienberger.

Um all die Vorteile ausschöpfen zu können, müssen nun jedoch gewohnte und eingeübte Abläufe abgelegt und neue Prozesse definiert und geschult werden. Ärzte müssen sich beispielsweise daran gewöhnen, künftig alles vollständig und nachvollziehbar im System zu dokumentieren und für die Pflegekräfte zur Ausführung anzuordnen. Doch es wird damit eine Eindeutigkeit erreicht, von der Pflege und Ärzte profitieren. Arbeitsabläufe werden nicht mehr von zeitaufwändigem Nachfragen, unklaren Handschriften oder nicht hinterlegten Informationen behindert. Die Software kann damit sogar die Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegekräften unterstützen. Zudem kann etwa bei Visiten die ärztliche Dokumentation schnell und direkt am Krankenbett aufgezeichnet werden. Damit weiß jeder Behandelnde in Echtzeit über jeden Patienten, sein Krankheitsbild, neue Laborbefunde, Komplikationen und Verordnungen Bescheid.  

"In allen Kliniken wurde die Einführung der digitalen Fieberkurve sehr positiv bewertet, weil sie zur Zufriedenheit aller Beteiligten beitrug", sagt Dr. Dietrich. Auch in Kösching hat er schon viel positives Feed-back von den Stationen, die bereits mit "Vmobil" arbeiten, bekommen. Ein gutes Zeichen angesichts der nicht unerheblichen Investition, die die Anschaffung und Einführung darstellen.

Wenn "Vmobil" ganz in den Alltag auf den Stationen integriert ist, wird vor allem der Patient profitieren. Darin sind sich Dr. Dietrich und Dr. Grienberger einig. Weil Pflegekräfte mehr Zeit für ihre Pflegeaufgaben statt für die Dokumentation aufwenden können und weil die Behandlung jederzeit schnell an neue Dateneingaben angepasst werden kann.